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Mute - Duncan Jones Netflix-Film

Mute ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie, die auf Duncan Jones 2009 erschienen Moon aufbaut. In ihrer Geschichte sind die Filme jedoch, wie in der Cloverfield-Trilogie, kaum zusammenhängend. Mute ist Duncan Jones erste Regiearbeit für Netflix und man bemerkt schnell, dass sich hier die Bildästhetik und die Erzählweise dem Netflix-Schema fügen.

Zwei Erzählstränge werden gleichwertig verfolgt. Diese Parallelmontage erinnert schnell an die Vielzahl an Schauplätzen und ebenbürtigen Charaktere, wie man sie in der ein oder anderen Serie vorfindet. Die eine Geschichte handelt vom stummen Leo (Alexander Skarsgård), der im chaotischen Berlin der Zukunft auf der Suche nach seiner Freundin ist, die durch zwielichtige Beziehungen auf mysteriöse Weise verschwunden zu sein scheint. Im zweiten Handlungsstrang versucht der chronisch gestresste Cactus (Paul Rudd) einen Weg zu finden, aus Berlin in seine geliebte Heimat, die USA, zurückzugelangen. Die Geschichten sind untergründig miteinander verstrickt.

Der Film fängt stark an. Mit Leichtigkeit transportiert er einen von Anfang an in die Atmosphäre eines dystopischen Berlins der Zukunft. Das ist aber keine düstere Weltuntergangsphantasie, sondern ein bunt-punkiger Schauplatz, der liebevoll gestaltet, zumindest fürs Erste, Innovationen erhoffen lässt. Hier zeigt Duncan Jones auch sein Gespür für eine filmische Rhythmik, die den Szenen eine spezifische emotionale Qualität verleiht.

Schnell verliert sich Mute jedoch in seinen eigenen durch das Drehbuch aufgebürdeten Irrwegen. Die anfängliche Begeisterung über einen vermeintlich melodisch-dynamischen Film wartet nicht lange, bis sie der Entgeisterung Platz macht, die sich einstellt, wenn die Bilder ihre symbolische Kraft verlieren und teils wie unbedeutende Szenen aus irgendeiner der unzähligen Netflix-Serien daherkommen. Auch der Soundtrack Clint Mansells, der sonst durch pathetisch-aufgeladene Tracks zu bestechen wusste, klingt hier entzaubernd fad.

Mute ist auch kein besonders schlechter Film. Aber irgendwie scheint es, als sei hier das ein oder andere Potenzial in der Produktion versiegt. Paul Rudd spielt wieder mal den durchweg genervten angespannten Typen, was überzeugt, aber aufgrund seiner überzogenen „Screentime“ irgendwann nur noch lästig ist. Seine Bromanze, die das Antagonisten-Gespann bildet, verliert in ihrer komödienhaften Darstellung jegliche Gefährlichkeit. Und das Detektivische in der Handlung um den Protagonisten Leo schafft es nicht, die nötige Spannung aufzubauen.

Lichtblick ist der herausragende Alexander Skarsgård, der seinem dem Drehbuch geschuldeten flachen Charakter, die nötige Tiefe zu geben wusste.